Die Salam-Schule in Gaziantep

Dieses Projekt ruht gerade.
Wir hoffen aber, dass es in anderer Form (und auf syrischem Boden!) wieder aufgenommen werden kann.

Infos:
Die Salam-Schule für syrische Flüchtlingskinder war 2014 als Reaktion auf die schreckliche Flüchtlingskatastrophe im Nahen Osten gegründet worden. Sie befand sich in Gaziantep, einer türkischen Stadt nahe der syrischen Grenze. Hierhin sind Hunderttausende geflohen. Hier haben sie einen Unterschlupf gefunden, hier überleben sie, weil sie den Müll durchwühlen, weil sie betteln oder weil sie eine einfache Arbeit finden konnten. Was im März 2014 sehr improvisiert in einer kleinen Wohnung mit 25 Kindern begonnen hatte, entwickelte sich weiter. Zuletzt waren es 380 Kinder, die das Schulprojekt besucht haben. Jeden Tag gab es eine warme Mahlzeit für alle. So war das anfängliche Chaos einer soliden Routine gewichen.

Die Salam-Schule war mehr als ein geschützter Ort, an dem Kinder sich ausprobieren, fragen, dazulernen und einfach Kind sein konnten. Sie war ein kleines Symbol, ein Zeichen der Hoffnung inmitten der Perspektivlosigkeit gestrandeter Familien.
Jetzt wurde sie leider von der türkischen Regierung geschlossen, obwohl die meisten Familien immer noch nicht nach Hause gehen.
Aber für uns ist klar, dass wir dann, wenn der Krieg vorbei und der Weg zurück nach Syrien wieder frei sein wird, mitgehen und mitanpacken wollen.

Kontakt in Gaziantep und in Tübingen: Yasin Adigüzel (Jugendreferent beim Ev. Jugendwerk)
Salemschule
Liebe Freunde,

manche hat die schmerzliche Nachricht bereits erreicht. Viele von Euch haben vor viereinhalb Jahren durch meine Zeilen miterlebt, wie in der Südtürkei am Rande eines schrecklichen Bürgerkrieges ein Schulprojekt entstanden ist. Klein, verletzlich, unscheinbar. Und doch voller Leben, voller Hoffnung und wunderschön. Ihr sollt nun auch erfahren, wie es zu Ende gegangen ist.

Am 2. Oktober 2018 sind Polizisten in unsere kleine Schule gekommen. Die Kinder wurden nach Hause geschickt, die Wohnungen versiegelt und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verhaftet. Zwar wurden sie bald wieder entlassen, doch mit der Aufforderung das Land innerhalb von zwei Wochen zu verlassen. Die Rückkehr nach Syrien ist in der aktuellen Situation unmöglich. So blieb ihnen nur der Weg in die Illegalität. Sie halten sich versteckt, um nicht abgeschoben zu werden. Ihnen gilt nun unsere Sorge und unser Gebet.

Was die Schule betrifft, so wiegt die Dankbarkeit viel mehr als die Enttäuschung. Und ich freue mich über jeden Tag, an dem die Salam-Schule ein Ort der Hoffnung für so viele Kinder und ihre Familien gewesen ist. Wer hätte das am Anfang gedacht, als wir mit fünf Lehrern und 25 Kindern gestartet sind, dass daraus ein Schulprojekt wird, das von 380 Kindern besucht wird?

Und obwohl der Gedanke weh tut, dass die Räume, in denen sonst Kinderlachen zu Hause gewesen ist, nun kalt und leer sind, so freue ich mich doch, dass die Salam-Schule weiterlebt in den Erinnerungen und in den Herzen derer, die dabei gewesen sind.

Nein, es ist nicht das Ende, es ist ein Doppelpunkt. Schon lange gibt es Überlegungen nach Syrien zu gehen, sobald es die Umstände dort zulassen. Und ich bin jetzt schon gespannt, was noch sein wird, auch wenn wir vielleicht vieles nicht erfahren werden.

Ich danke Euch, die Ihr Anteil genommen, die Ihr mitgefiebert, die Ihr gespendet und gebetet habt!

Mit Grüßen der Dankbarkeit,
Euer Yasin Adigüzel