Neve Chana / Israel

Das Kinderheim „Neve Hanna“ liegt in Qiryat Gat, einer mittelgroßen Stadt am Nordrand der Negev-Wüste, die von einer großen kulturellen Vielfalt geprägt ist. In Neve Hanna leben etwa 120 Kinder aus sozial schwachen und problematischen Familien. Die meisten wohnen in stationären Gruppen, etwa ein Drittel besucht nach der Schule bis nach dem Abendessen die insgesamt drei Tageshorte. In einem davon werden arabische und jüdische Kinder gemeinsam erzogen. Diese Gruppe, genannt „Natif le Shalom“ – „Pfad des Friedens“ – ist Ausdruck der pädagogischen Überzeugung, dass Feindseligkeiten zwischen Völkern, wie auch im Nahost-Konflikt, nur dadurch überwunden werden können, wenn Friedensarbeit auf unterster Ebene, also bei den Kindern, ansetzt. Nur wer als Kind verschiedene Lebensformen in ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten kennengelernt hat, wird als Erwachsener Anderssein differenziert beurteilen und annehmen können – gemäß der Erkenntnis von Marie Curie „Was man verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht.“

Für diese Friedensarbeit wurde 2016 im Rahmen der Mitgliederversammlung des Vereins „Neve Hanna Kinderhilfe e.V.“ in Hamburg dem Heim eine große Anerkennung zuteil: In einem feierlichen Akt wurde Dudu Weger, dem Heimleiter von Neve Hanna, die „Goldene Taube“ überreicht. Dieser Preis, entworfen von dem deutschen Künstler Richard Hillinger, wird Menschen und Organisationen verliehen, die sich für Menschenrechte und Völkerverständigung einsetzen. Der Preis wurde bereits vergeben an Organisationen wie Amnesty International, Greenpeace, Nelson Mandela, Michael Gorbatschow Papst Benedict XVI., US Präsident Barack Obama, dem Dalai Lama und Angela Merkel. Der Überbringer, Dr. Joachim Hahn, Vorsitzender des Arbeitskreises „Alemannia judaica“, dem ein halbes Jahr zuvor der Preis verliehen worden war, hob insbesondere das Engagement in Bezug auf den Brückenbau zwischen deutschen und israelischen, christlichen, arabischen und jüdischen Jugendlichen hervor.

Quelle: Dagmar Bluthardt, Esslingen
Aus dem Martinsbrief 4/2017

Aktuelles aus dem Kinderheim „Neve Hanna“

Die Oase der Hanna“ – wie das Kinderheim im israelischen Kiryat Gat zu Deutsch heißt – hat auch in diesem Jahr weiter daran gearbeitet, dass sie genau das für die dort lebenden Kinder sein kann, was sie namentlich impliziert: eine Oase, ein friedvolles Zuhause, ein Rückzugsort mit therapeutischer Hilfe. Zu den schon über Jahren aufgebauten Projekten des Kinderheims zählen ein kleiner Tierpark, eine Bäckerei und der „Pfad des Friedens“: eine Tageshort-Gruppe, die sich aus jüdischen Kindern und muslimisch-beduinischen Kindern zusammensetzt.

Neu ist in diesem Jahr das Gartentherapieprojekt, das Kinder mit der Gestaltung und der Nutzung der Pflanzenwelt vertraut macht. Die Gruppe lernt, ihre Umgebung in Qiryat Gat/ Israel ästhetisch zu gestalten und natürliche Ressourcen für ihre tägliche Ernährung zu nutzen.

Da das Kinderheim trotz erschwerter Bedingungen auf die Zusammenarbeit mit den Eltern und nicht auf Abschottung setzt, wurde außerdem in der heimeigenen Bäckerei ein Brot- und Kuchenbackkurs ins Leben gerufen, bei dem die Kids gemeinsam mit ihren Eltern lernen, unterschiedliche Sorten Brot, Kekse und Kuchen zu backen. Der gesamte Prozess wird von einer Sozialarbeiterin begleitet. Ziel dieses Projekts ist es, die Eltern, die sich oft auf Grund ihrer schwierigen Situation zurückgesetzt fühlen, einzubeziehen und deren Vertrauen zum Kinderheim zu stärken.
Dagmar Bluthardt