Behinderte in Petrosawodsk

Es fing mit einem Selbsthilfeprojekt ´Das behinderte Kind´ an : Für 35 Familien mit schwer behinderten Kindern wurde eine Drei-Zimmer-Wohnung zum Selbsthilfezentrum. Heute unterstützen wir die therapeutische Arbeit mit behinderten Kindern, eine Gesprächstherapiegruppe mit behinderten Jugendlichen, ein stadtteilnahes Behindertenzentrum und eine Reittherapie für behinderte Kinder.

Diese partnerschaftliche Verbindung besteht seit 1989, ausgehend von der Städtepartnerschaft zwischen Tübingen und Petrosawodsk.

Die Stadtgründung von Petrosawodsk wird auf 1703 unter Zar Peter dem Großen datiert. Dieser ließ am Südufer des Onegasees eine Kanonengießerei gründen. Aus den Arbeitersiedlungen entstand eine Siedlung, die 1777 unter Katharina der Großen Stadtstatus erhielt. Im zweiten Weltkrieg wurde die Stadt fast vollständig zerstört. Heute ist Petrosawodsk die Hauptstadt der Nordwestrussischen Republik Karelien, liegt 400 km nordöstlich von St. Petersburg und hat ca. 270 000 Einwohner.

Kontakt in Petrosawodsk: Valentina Dwinskaja
Kontakt in Tübingen: Maria Schmid, Tel. 26835
Musiktherapie
Musiktherapie

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Die Leiterin der Reittherapie mit einem der Therapiepferde

Bericht 2020

Was als Projekt begonnen hat, steht jetzt auf eigenen Beinen 

Eine jahrelange Beziehung neigt sich dem Ende zu. Die Geschichte begann 1992 bei einer Bürgerreise in die damals jüngste Tübinger Partnerstadt Petrosawodsk. Auf dem Schiff, das die mehr als 300 Mitreisenden von St. Petersburg über die Newa an den Onegasee brachte, sprach mich die Dolmetscherin meines Mannes, Valentina Dwinskaja, an. Sie berichtete mir von der Not russischer Mütter, die, von der Gesellschaft allein gelassen, versuchten, eine private Tagesstätte für ihre von Geburt an schwer behinderten Kinder zu schaffen. Ich machte mir das Anliegen zu eigen und fand im Kirchengemeinderat der Martinskirche dafür viel Verständnis. Wir warben erfolgreich um Spenden, die sich mit zusätzlichen Basarerlösen im Lauf der Jahre auf zehntausende Euro summierten.

Damit konnten nach und nach drei private Organisationen unterstützt werden. Alle kümmerten sich um behinderte Kinder: Die „Quelle“ erhielt eine Wohnung, die sie behindertengerecht ausstattete, „Das behinderte Kind“ half mit spezialärztlicher Betreuung und „Centaur“ bot therapeutisches Reiten. Inzwischen sind diese Initiativen mehr oder weniger staatlich eingebunden, werden öffentlich unterstützt und brauchen nicht mehr, wie zuvor, unsere „guten Gaben“. Derzeit kann die Martinskirche noch über einen Restbetrag verfügen, der für „Centaur“ vorgesehen ist.

Valentina Dwinskaja war und ist Dreh- und Angelpunkt unserer Hilfsaktionen. Sie koordinierte und verwaltete all die Jahre treuhänderisch und uneigennützig die Spenden, steuerte und prüfte deren Verwendung und berichtete regelmäßig über die Früchte unserer Hilfen. Allen persönlichen Spendern, denen unser „russisches Projekt“ mit am Herzen lag, gebührt einmal mehr unser Dank, besonders aber ihr, unserer „guten Fee“ und Freundin in Petrosawodsk.

Maria Schmid

 

 

Bericht 2019

Unsere Martinsgemeinde hatte Glück: 

Im September reiste eine Tübinger Gruppe nach Petrosawodsk, die bereit war, Botendienste für uns zu übernehmen. Wir konnten ihr einen Geldbetrag für Frau Valentina Dwinskaja, unsere Vertrauensfrau seit vielen Jahren, mitgeben, um damit das von uns schon vielfach geförderte Projekt „Centaur“ weiter zu unterstützen. Dessen Leiterin, Frau Irina Burmistrowa kümmert sich um die Rehabilitation behinderter Kinder und Jugendlicher durch Hippotherapie. In ihrer Dankadresse an unsere Gemeinde schreibt sie: „Ich möchte Ihnen meinen riesigen Dank für Ihre Sorge und ständige Unterstützung zum Ausdruck bringen. Die 500 Euro, die ich von Ihnen am 3. 9. 2019 erhalten hatte, waren eine so freudige Überraschung für mich und meine schönen mähnigen Zöglinge! Vielmals unseren schönen Dank!!!“ 

Maria Schmid

Bericht 2017

Aktuelles und Grüße aus Petrosawodsk 

Seit 21 Jahren kümmert sich der Kinderfond „Centaur“ in Petrosawodsk mittels therapeutischem Reiten um die Rehabilitierung behinderter Kinder und Jugendlicher. Dazu schrieb die Vorsitzende von „Centaur“, Irina Burmistrowa, soeben in einem Dankesbrief an die Martinskirchengemeinde:

„Und diese ganze Zeit sind Sie mit uns geblieben!!!“ und: „Eine sich auf das Wohl der anderen richtenden Tätigkeit war immer zum Los der Erwählten, in deren Herzen es immer einen Platz für Mitgefühl gegeben hat!“ Demnächst soll „Centaur“ 3000 Euro von der Martinskirche für die Beschaffung von Winterfutter und die Erneuerung alter elektrischer Leitungen bekommen.

Genau so „dankerfüllt“ ist das von der Martinskirche ebenfalls seit langem unterstützte „Zentrum Quelle“, insbesondere für den zuletzt geleisteten Beitrag von 3000 Euro. Damit wurde eine „bequeme, sichere und für die Kinder höchst anziehende“ Neugestaltung des Sportplatzes möglich:

„Von nun an können die Kinder, die sich nur mit einem Rollstuhl bewegen, auch Karussell fahren, In Sandhaufen spielen, Sportgeräte benutzen, einen Ball in den Ring einwerfen.“

Allen, die zu diesen Hilfen beigetragen haben, und weiter helfen wollen, dankt die Martinskirche.

Maria Schmid (Quelle Martinsbrief 4/2017)