Projekt mit DAIKA e.V.: Augenmedizinische Hilfe für Kinder in Albanien und im Kosovo

Der Tübinger Verein „Deutsch-Albanische Initiative Kinderaugen“ DAIKA e.V., initiiert von Ehepaar Joos-Kratsch, bietet Hilfe in Nordalbanien und im Kosovo an. Das Hauptgewicht liegt auf der Untersuchung der Augen von Kindergarten- und Grundschulkindern und der Versorgung sehschwacher Kinder mit der richtigen Brille. Dabei arbeitet die Initiative auch mit caritativen Einrichtungen vor Ort zusammen, wie Heime für Sinti und Roma, für Opfer von Blutrache, für Kinder mit gesundheitlichen Problemen. Die Untersuchungen an den Schulen der Gebirgsorte finden oft unter einfachsten Bedingungen im Freien statt. Es sind vorwiegend abgelegene und sehr arme Gegenden, die bei den Einsätzen aufgesucht werden.

Augenuntersuchung
Augenuntersuchung unter einfachsten Bedingungen
  Einen Schwerpunkt der Arbeit bildet die kleine Gebirgsstadt Fushe-Arrez, eine frühere Minenregion. Da der Bergbau mittlerweile eingestellt wurde, ist die Arbeitslosigkeit sehr hoch. Die Augenuntersuchungen finden in Zusammenarbeit mit einer von deutschen Ordensschwestern betriebenen Station statt. Eine augenärztliche Versorgung existiert in der Region nicht; daher hat der Verein im Herbst 2015 mit gespendeten Geräten dort eine kleine augenmedizinische Station aufgebaut. Mit einem albanischen Augenarzt wurde vereinbart, dass er im Auftrag des Vereins regelmäßig nach Fushe-Arrez fährt und dort Sprechstunden abhält.
Zu den Einsätzen, die mehrmals jährlich gemacht werden, sind freiwillige Helfer (z.B. als Schreibkräfte) willkommen.

Kontakt in Tübingen: Elfriede Joos-Kratsch und Dietrich Kratsch

Quelle: ein-zehntel-stiftung.de

Bericht 2019

Am zweiten Albanieneinsatz des Jahres, von 1. bis 13. Oktober 2019, nahmen neben den Tübingern Elfriede Joos-Kratsch und Dietrich Kratsch die Orthoptistin Maren Bischoff (auf dem Foto mit einer kleinen Patientin am Autorefraktometer), Gert Torvik (beide Alesund/ Norwegen) sowie unsere albanischen Mitarbeiterinnen Vilma Dufalija und Suela Halilaj teil. An zwei Tagen hat uns die albanische Augenärztin Dr. Etleva Gjurashaj unterstützt. Wir haben in unseren Untersuchungseinrichtungen in Zejmen, Puka, Fushe-Arrez und Bajram Curri insgesamt 551 Patienten untersucht, davon waren 67 Kontrollen. 214 Brillen wurden von uns ausgegeben oder verordnet, davon 93 Nahbrillen, 58 gebrauchte Brillen und 63 Brillenverordnungen. 41 Brillen lassen wir für die Patienten anfertigen. Bei den Wiedervorstellungen haben wir einige sehr schöne Ergebnisse gesehen. So war beispielsweise der 14-jährige Ergi im Mai 2019 zum ersten Mal ohne Brille mit einer Sehschärfe von 20 % rechts / 30 % links zu uns gekommen. Grund ist eine Nahsichtigkeit. Mit der richtigen Brille versorgt kommt er jetzt auf 100 % Sehkraft! Viele kleine Patienten kennen wir schon länger. Suela bekam 2014 als Fünfjährige von uns die erste Brille – ebenso wie 2016 ihre jüngere Schwester Seldi - , beide sind weitsichtig mit hohem Astigmatismus. Auch bei den beiden Schwestern konnten wir eine Sehkraft von 100 % feststellen. Daneben gab es - wie nicht anders zu erwarten - auch Kinder, bei denen es nicht so gut gelaufen ist. Wenn nur ein Auge sehschwach ist, ist die Versuchung groß, die Brille wegzulassen. Für die Zukunft bedeutet dies, dass zeitlebens nur ein „gutes“ Auge zur Verfügung steht und bei Verletzung oder Krankheit dieses Auges der Betroffene quasi blind ist. Die Eltern sind erschrocken, als wir ihnen zeigten, dass sich die Sehschwäche des betroffenen Auges wieder nachteilig entwickelt hat.

Ein besonderer Fall war die 31-jährige Mirela. Sie hat eine Nahsichtigkeit von -20 auf beiden Augen und sieht in der Ferne weniger als 10 %. Ihre Brille ist seit 5 Jahren kaputt. Mit dem Probiergestell und den richtigen Gläsern kam Mirela auf 25 Prozent Sehfähigkeit – ein ganz wesentlicher Fortschritt. Jetzt lassen wir ihr eine Brille machen, Anfang November wird diese wie auch die anderen von uns in Auftrag gegebenen Brillen zu unserer albanischen Mitarbeiterin Vilma zur Weiterleitung an die Patienten gebracht. Wir sind schon gespannt, ob wir Mirela im nächsten Jahr wiedersehen.

Eine schöne Überraschung gab es in unserer Station in Fushe-Arrez: Dort war tatsächlich, wie von uns in Auftrag gegeben, die Elektrik und das WC renoviert worden; wir haben gerne die Arbeit bezahlt. Nun stehen uns dort zwei gute Untersuchungsräume zur Verfügung.

Auch Marina Düvel war in der ersten Oktoberwoche wiederum zur Versorgung von Hörgeschädigten in Albanien. Und schon geht wieder darum, den nächsten Einsatz im Mai 2020 vorzubereiten.

Elfriede und Dr. Dietrich Kratsch (Quelle Martinsbrief 4/2019)

Bericht 2018

Das Jahr begann mit verschiedenen Angeboten, gebrauchte Geräteeinheiten für die Arbeit in Albanien zu übernehmen. So mieteten wir einen Kleintransporter, bauten in Stuttgart und Schwäbisch Gmünd die Geräte ab und brachten sie nach Obing am Chiemsee. Von dort fahren regelmäßig Lkw-Transporte des Vereins „Junge Leute Helfen“ zur Missionsstation in Fushe-Arrez, gegen Kostenbeteiligung können wir die Geräte mitgeben. Dies erspart uns die ansonsten sehr umständlichen Zollformalitäten.

Im Mai fuhr der Gerätetechniker J. Würz nach Albanien, um die Geräte in unseren Untersuchungsräumen zu installieren. Unsere geplanten Arbeitseinsätze im März und Mai mussten wir dann aber leider aus gesundheitlichen Gründen stornieren.

Den Einsatz im Herbst haben wir deshalb auf 17 Tage verlängert. Wir waren sehr gespannt, wie wir nach einem Jahr Unterbruch unsere Untersuchungsräume antreffen würden und wie die Stimmung unserer albanischer Mitarbeiter sein würde. Die ganze Zeit begleitete uns N. Allmendinger, die für ein halbes Jahr in Fushe-Arrez gearbeitet hatte. Unsere albanischen Patienten waren ganz erstaunt, dass sie von einer jungen Deutschen in Albanisch angesprochen wurden. In der zweiten Woche stieß K. Spatz, die in Köln als Orthoptistin arbeitet, zu uns.

In dem Gebirgsstädtchen Bajram Curri, nahe der kosovarischen Grenze, erwartete uns am Sonntagmorgen der neue Direktor des Hospitals. Weil die bisher von uns genutzten Räume anderweitig benötigt werden, mussten wir am Sonntagnachmittag umziehen und uns neu einrichten. Da der neue Raum besser geeignet ist, nahmen wir die Arbeit gerne in Angriff.

Im Hospital von Puka waren wir zum ersten Mal. So kamen auch der Direktor, seine Frau, seine Tochter, sein Sohn und die Freundin des Sohns zur Untersuchung – zwar nicht unsere Zielgruppe, aber als vertrauensschaffende Maßnahme von hohem Wert.

In Fushe-Arrez, Zejmen und Shkodra, wo wir schon seit einigen Jahren tätig sind, hat sich schnell die gewohnte Routine eingestellt. Mit Karin bildeten wir zwei Untersuchungsteams. Dadurch war die Arbeit sehr effektiv. So haben wir beispielsweise in Rreshen in Zusammenarbeit mit Caritas Albanien einen Untersuchungstermin mit unseren mobilen Untersuchungsgeräten angeboten, bei dem wir 85 Personen untersuchen konnten. Die Auffälligen wurden einige Tage später in unserer Einrichtung in Zejmen weiter versorgt.

17 Personen konnten wir direkt mit Brillen aus unserer Sammlung gebrauchte Brillen versorgen. Immer wieder ist es eindrücklich, wenn Kinder, die bisher immer nur unscharf sahen, plötzlich die Umwelt bewusst wahrnehmen, so z.B. die 4-jährige Ornelia, die durch ihr Schielen auf dem rechten Auge fast nichts und auf dem linken Augen mit ihren Werten +7,5 sphärisch, -1,5 cylinder auch nur 20 % sah. Wir konnten ihr zu einem Trageversuch eine gebrauchte Kinderbrille von +4,5 geben. Damit sah Ornelia auf einmal die Umwelt viel schärfer. Mit Begeisterung und hoher Konzentration zeigte sie beim Sehtest die in 3 m Entfernung gehaltenen Symbole (Kreis, Quadrat, Haus, Herz) auf ihrem Zettel an und kam gleich auf 60 %. Im Mai nächsten Jahres werden wir sie wieder sehen und ihr die individuell angepasste Brille geben.

Bei 32 neugefertigten Brillen werden von uns die Kosten der Gläser ganz oder teilweise übernommen, weil die Familien sehr arm sind. Eine Reihe weiterer Patienten, die es sich leisten können, bekamen nur Brillenrezepte und Gestelle und lassen sich die Brillen selbst anfertigen. Und auch Nahbrillen gaben wir wieder in größerer Anzahl aus.

Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz: die Planung für 2019 läuft. Wir haben einen treuen Patientenstamm, der auf uns wartet.

Dietrich Kratsch